Advent und Weihnachten in Wien
December 1, 2009 by Sonia Laszlo
Filed under Customs
Advent in Wien ist immer eine ganz bezaubernde Zeit. Die ehemalige Reichshauptstadt versprüht besonders in diesen Tagen ihren weltbekannten Wiener Charme.
Christkindlmarkt und Adventzeit
Nicht verpassen sollte man den Besuch bei einem Christkindlmarkt.
Der größte und bekannteste Christkindlmarkt ist vor dem Wiener Rathaus, bemerkenswert ist das wunderbar beleuchtete Rathaus in dessen Fenstern ein Adventkalender zu sehen ist. Sehr stimmungsvoll ist auch der Kunst und Weihnachtsmarkt am Spittelberg. Gute Wiener Tradition verströmt der Altwiener Christkindlmarkt auf der Freyung.
Die Wiener lieben es auch sich in der Kälte zum Punsch zu treffen, und solche Holz-Hütten sind über die ganze Stadt verstreut.
Eine weitere Tradition ist der aus Tannenzweigen geformte Adventkranz. Er besteht aus 3 lila für den 1. 2. und 4. Adventsonntag und einer rosa Kerze für den 3. Adventsonntag. Beim sonntäglichen Mittagessen wird jeweils eine weitere Kerze im Kreis der Familie angezündet.
Ein sehr beliebter Brauch, der in den USA durch Trader Joe’s Verbreitung gefunden hat, ist der Adventkalender. Für jeden Tag gibt es eine Türe, manche sind sogar mit Schokolade gefüllt.
Bei uns zu Hause gab es zusätzlich noch die „Tradition des Stoffel“. Dies ist ein wunderbares in Kurrent geschriebenes Kinderbuch über die Abenteuer von Stoffel, die er jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezember erlebt.
Krampus wird am 6. Dezember gefeiert. Große und kleine Kinder finden nach dem Aufwachen an diesem Tag, wenn sie brav waren, kleine Geschenke, Orangen, Nüsse und gedörrte Pflaumen in ihren Schuhen oder zwischen den Scheiben der typisch Wiener Kastenfenster. Wenn nicht gibt es eine Rute vom Krampus. Das Wort Krampus kommt übrigens vom althochdeutschen Wort Krampen und ist eine Tradition, die in die vorchristliche Zeit zurück geht. Der Krampus tritt meist zusammen mit dem heiligen Nikolaus auf. Ein Teil dieses Brauchtums hat sich in den USA in den Weihnachtsmann gewandelt, Geschenke liegen hierzulande ebenfalls in Schuhen oder beim Holzofen.
Heiliger Abend
Gefeiert wird Weihnachten am Heiligen Abend im engsten Kreis der Familie am 24. Dezember. Der 25. Dezember, Christtag und 26. Dezember, Stefanitag geben die Gelegenheit die Feierlichkeiten auf die weitere Familie auszuweiten.
Als man nun endlich alle Türen seines Adventkalenders geöffnet hatte und sich riesig freute, dass endlich der heiß herbeigesehnte 24. gekommen war, musste man noch einen ganzen Tag warten, bis endlich die Bescherung stattfinden konnte.
Für Kinder ist der Eintritt in das Wohnzimmer, in dem der Christbaum steht, strengstens verboten. Daher hieß es zuerst Mittagessen, im Kreis der Familie und zwar klassisch Wiener Kartoffelsuppe, siehe Rezept meiner Mutter unten, genießen.
Zum Abendessen gibt es Fisch und eine Lesung aus dem Evangelium, und dann endlich das heiß ersehnte Glöckchen Klingeln und zur Bescherung gerufen werden. In Reihe und Glied dem Alter nach tritt man in die hell erleuchtete Stube mit dem eindrucksvollen Baum.
In diesem Kreis wird gesungen und musiziert, bis es endlich ans Geschenke Auspacken und Feiern geht. Fast alle Wiener Kinder haben ganz wunderbare Erinnerungen an den riesigen, hell erleuchteten Baum, die warme Stube und den Kreis der Familie. Dies sind magische Momente der Kindheit, die einen ein Leben lang begleiten und die jeder für seine Kinder reproduzieren möchte.
Kurze Geschichte des Wiener Weihnachtsbaumes
Die Verehrung von Bäumen hat ihren Ursprung in der germanischen Mythologie. Wien wurde mit dem Weihnachtsbaum durch den bürgerlichen Salon zur Zeit des Wiener Kongresses von Franziska, “Fanny”, Freifrau von Arnstein (geb. am 29.November 1758 in Berlin, gest. am 8.Juni 1818 bei Wien), bekannt gemacht. Ihr Salon im Palais Arnstein (Hoher Markt 1) war einer der Treff- und Mittelpunkte des gesellschaftlichen Lebens der Stadt Wien. Zahllose Feste, Bälle und Konzerte fanden dort statt. Metternich, Meyerbeer, Theodor Körner sowie Grillparzer gehörten zu den Gästen ihres Salons. 1814, hatte sie als eine der ersten, einen, damals in Wien noch völlig unbekannten, Weihnachtsbaum.
Weihnachtsmärkte
Eine komplette Liste der zahlreichen Wiener Märkte findet sich unter:
http://www.wien-konkret.at/wirtschaft/shopping/wiener-adventmaerkte/
Nicht verpassen sollte man:
www.spittelberg.at/weihnachtsmarkt/markt.htm
Zwei meiner Lieblingsrezepte:
VANILLEKIPFERL à la Oma Graz:
Zutaten für circa 40 Stück:
350 g glattes Mehl
200 g kalte Butter
75 g Staubzucker
1 Eidotter
1 Packung Vanillezucker
1/2 Teelöffel Zimt
1 Prise Salz
Staubzucker zum Bestreuen
Zubereitung:
1. Mit dem Mehl eine Grube machen, darin Zucker, Eidotter, Vanillezucker, Butter, Salz - hineinbröseln- alles zu einem glatten Teig per Hand kneten, dann mit Frischhaltefolie zudecken und für eine Stunde im Kühlschrank rasten lassen
2.Aus dem Teig fingerdicke Stangen rollen und diese in 3cm breite Stücke schneiden. Aus jedem Stück ein Kipferl formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.
3.Im vorgeheizten Back-Rohr bei circa 180 Grad Celsius für circa 15 Minuten backen, bei Bräunung aus dem Rohr nehmen und sofort mit Staubzucker, in dem eine Prise Zimt gemischt ist, dicht bestreuen.
WIENER KARTOFFELSUPPE
Zutaten für 4 Personen (ausreichend als Hauptgang am 24. Dezember)
1Liter Rindsuppe
1Kilo Kartoffel
1 Suppengrün (Lauch, Karotte, Petersilie)
1 Lorbeerblatt
etwas Sauerrahm
Salz
Kümmel
Zubereitung:
Am Morgen Kartoffel schälen und in kleinere Stücke schneiden,
in die vorhandene Rindsuppe einlegen, Suppengrün zerkleinern, wenig Salz, die Kartoffel dann zerkochen lassen, viel Kümmel dazugeben und alles sanft kochen lassen, bis die Kartoffel größtenteils cremig sind, einige Stückchen sollten erhalten bleiben, Wasser nachfüllen, wenn die Suppe zu dick wird.
Am besten schmeckt die Suppe aufgewärmt zu Mittag!
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Achtung kleiner Irrtum: Krampus wird am 05.12; Hle.Nikolaus (’Nikolo’) am 06.12 gefeiert – oft kommen beide am 06.12 gemeinsam ins Haus …
eh. amazing style
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